Samstag, 19. Mai 2012

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Herausforderungen eines berufsbegleitenden Studiums:

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Bericht einer Studie­renden der Stein­beis-Hoch­schule Berlin
Drei Jahre berufs­be­glei­tend Studieren, jeden Monat nach Berlin reisen, Lernen, wissen­schaft­liche Arbeiten erstellen und das alles neben dem „normalen Alltag“ zwischen Privat­leben und Betreu­ungs­chaos. Schaffe ich das? Ich zwei­felte einige Wochen, bevor der Opti­mismus überwog und ich mich zum Bachelor-Studien­gang „Public Mana­ge­ment: Betreuung und Vormund­schaft“ an der Stein­beis-Hoch­schule ange­meldet habe.

Anfangs standen die Kosten, also Studien­ge­bühren und Reise­kosten, im Vorder­grund. Die müssen erst einmal aufge­bracht werden. Aber da man mit einem Hoch­schul­ab­schluss in die höchste Vergü­tungs­gruppe kommt, gibt man das Geld gern erst einmal aus. Nach fast 10jäh­riger frei­be­ruf­li­cher Tätig­keit als Berufs­be­treuerin mit durch­schnitt­lich 50 Klienten bin ich es einer­seits zwar leid, weniger Geld zu verdienen als in meinem früheren Job als Kran­ken­schwester, jedoch mag ich meinen Beruf und möchte ihn noch lange ausüben. Aufgrund der gesetz­li­chen Vorgaben habe ich mit zwei absol­vierten Ausbil­dungen zur Verwal­tungs­an­ge­stellten und zur Kran­ken­schwester zwar zwei Berufe erlernt, die sich hervor­ra­gend für die Tätig­keit als Berufs­be­treuerin eignen, jedoch erhalte ich nur den mitt­leren Vergü­tungs­satz. Und damit sollte nach erfolg­reich absol­viertem Studium endlich Schluss sein. Das heißt, die Zukunft glänzt mir sonnig entgegen mit mehr als 30% Mehr­ver­dienst für die glei­chen Tätig­keiten oder eben weniger Arbeit für die ähnliche Bezah­lung wie vor dem Studium. Damit habe ich die Ausgaben für das Studium in 2-3 Jahren nach dem Abschluss wieder rein. Mit weniger Arbeit und mehr Geld könnte ich wesent­lich besser „alt“ werden.

So also meine Gedan­ken­gänge vor Aufnahme des Studiums. Im Verlauf des Studiums habe ich so viele posi­tive Erfah­rungen gemacht, so dass ich mich immer wieder für dieses Studium entscheiden würde. Wie vermut­lich bei jedem von uns ist das tägliche Leben so voll­ge­packt mit Verpflich­tungen, dass man sich gar nicht vorstellen kann, woher man noch die Zeit und die Kraft für ein solches Studium nehmen soll. Doch ich habe im Voraus nicht wissen können, welche „Schätze“ sich durch das Studium in Berlin auftun.

Es beginnt damit, dass sich die bisher gesetzten Prio­ri­täten auf eine sehr konstruk­tive und wie ich finde sehr gesunde Art und Weise verschieben. Durch das Studium müssen manche Dinge neu geordnet und Prio­ri­täten über­dacht werden. Das schafft neue Ener­gien und Betrach­tungs­weisen des eigenen Umgangs mit Zeit, Arbeits­or­ga­ni­sa­tion usw. Im privaten Bereich müssen mir nahe stehende Personen Verständnis dafür aufbringen, dass sich die Kontak­t­in­ter­valle ändern, dass ich mir weniger Zeit nehmen kann für bisher Einge­fah­renes. Diese Prio­ri­tä­ten­ver­schie­bung passiert auto­ma­tisch und ich empfand es als sehr positiv, alte Wege hinter­fragen zu müssen, die Wertig­keiten neu zu über­denken, mich selber kritisch ausein­ander zu setzen mit dem, wie ich bisher gelebt und gear­beitet habe und wie ich es jetzt ändern muss, um das Studium erfolg­reich zu meis­tern.

Hinzu kommt der hohe Wert des kolle­gialen Austau­sches mit anderen Betreuern aus ganz Deutsch­land. Meine Kommi­li­ton­innen und Kommi­li­tonen waren alle beruf­lich mit der „Berufs­be­treuerei“ beschäf­tigt und es gab von Anfang ein großes Inter­esse am Anderen, dessen Arbeit, dem Austausch von Erfah­rungen – letzt­lich fand bei allen Berlin-Wochen­enden kolle­giale Super­vi­sion in verschie­denster Form statt. Dies halte ich für uns – die wir sehr oft als Einzel­kämpfer tätig sind – für absolut wert­voll, ja gar unver­zichtbar. Die Themen des Studien­gangs sind in erster Linie direkt auf das Berufs­be­treu­er­da­sein zuge­schnitten. In diesen 3 Jahren habe ich keinerlei andere Fort­bil­dung besucht, weil wir in quan­ti­ta­tiver und vor allem quali­ta­tiver Hinsicht durch Inhalte und Refe­renten auf hohem Niveau und den neuesten Geset­zes­in­halten geschult worden sind.

Ich habe von Anfang an die Gerichte und Betreu­ungs­be­hörden, mit denen ich zusammen arbeite, über meine Studien­teil­nahme infor­miert und stieß auf Verständnis, Respekt und Inter­esse.

450 von Nürn­berg nach Berlin zu über­win­dende Kilo­meter sind kein Pappenstiel. Jedoch hat diese bunte, verrückte und so anders als Nürn­berg seiende Haupt­stadt mich ange­regt, aufge­regt, inspi­riert, verführt (Klamotten, Konzerte, herr­lichste Kuli­nar­ex­zesse), meinen Hori­zont erwei­tert und meine Liebe zum Leben wieder aufge­frischt.

Wir bedanken uns herz­lich bei unserer Studentin Jutta Roggen­wallner für die persön­li­chen Einblicke.
Nähere Infor­ma­tionen zum Studium erhalten Sie auf unserer Inter­netseite http://www.aoev.de/Studium/Bachelor/Betreuung-Vormund­schaft oder tele­fo­nisch unter 030 / 814698-50.