Samstag, 19. Mai 2012

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Frau Eff… ist ratlos

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Frau Eff, Berufs­be­treuerin… ist ratlos
Vor zwei Jahren habe ich die Betreuung von Frau K. von einer Kollegin über­nommen, weil Frau K. damit gedroht hatte, deren Tochter umzu­bringen. Seitdem habe ich in der Sache jede Woche mindes­tens einmal mit der Polizei, der psych­ia­tri­schen Klinik, aufge­brachten Nach­barn und Geschä­digten zu tun. Ich bin mit meinen Ideen am Ende. Alles auspro­biert, alles geschei­tert.

Frau K., Jahr­gang 1964, ist leicht geistig behin­dert und seit ihrer Kind­heit psych­ia­trisch auffällig. Sie hat bereits in sehr vielen offenen und geschlos­senen Einrich­tungen gelebt, trau­riger Höhe­punkt war eine fast einjäh­rige Dauer­fi­xie­rung in einer Spezi­al­gruppe für verhal­tens­auf­fäl­lige Menschen mit Doppel­dia­gnose.

Frau K. geht es nie gut, sie ist ständig ange­spannt, unglück­lich bis zur völligen Verzweif­lung, unruhig, fordernd, laut, insis­tent. Eine klare psych­ia­tri­sche Diagnose gibt es nicht, jeder Gutachter schreibt etwas anderes, Medi­ka­mente haben nur einen Effekt, wenn sie stark dämpfen, aber das will Frau K. nicht. Es ist ihr unmög­lich, mit anderen Menschen zusam­men­zu­leben. Jede Form von Sozi­al­kon­takten wird von ihren offen­sicht­li­chen Qualen über­flutet. Keiner mag Frau K., alle wollen sie so schnell wie möglich loswerden.

Was die Arbeit mit Frau K. aller­dings oft an den Rand des Zumut­baren führt, ist ihre unbe­re­chen­bare Aggres­si­vität. Bekommt sie nicht das, was sie will (Besuch der Eltern, eine Katze, ein Sprung vom 10-Meter-Brett), zerstört sie alles, was ihr in die Finger kommt: Sie wirft Blumen­töpfe durch Fens­ter­scheiben, tritt im Bahnhof Skulp­turen um, läuft ins Kran­ken­haus und zieht den Pati­enten die Infu­sionen heraus, wirft Motor­räder um etc. Eine Gefahr für Menschen ist Frau K. nur, wenn sie die Personen kennt oder wenn sie gezwungen wird, mit diesen Menschen zusam­men­zu­leben: Sie reißt der Ärztin Haare aus, tritt die Mitar­beiter des Betreuten Wohnens, schlägt Mitbe­wohner im Heim und atta­ckiert Pati­enten in der psych­ia­tri­schen Klinik. Erst gestern erreichte mich die E-Mail der psych­ia­tri­schen Akut­sta­tion, auf der sich Frau K. mal wieder befindet. Der Arzt schreibt:
Ich möchte Sie darüber infor­mieren, dass Fr. K. seit dem gest­rigen Nach­mittag auf eigenen Wunsch bis heute morgen gegen 7 Uhr am Bett fixiert war. Um 9 Uhr hat sie dann einen Pati­enten in der Voll­fi­xie­rung mitsamt seinem Bett umge­worfen und musste daraufhin erneut fixiert werden, diesmal jedoch nicht frei­willig. Auch dieser Über­griff erfolgte völlig uner­wartet, spontan und ohne erkenn­baren Auslöser oder Grund.“

Inter­essan­ter­weise hat bisher kaum jemand Straf­an­zeige gegen Frau K. gestellt. Und wenn, dann hat die Staats­an­walt­schaft die Verfahren bisher immer einge­stellt.
Eine Selbst­ge­fähr­dung sehe ich nicht. Frau K. ist orien­tiert, weiß, wo sie etwas zum Essen bekommt, kann lesen und schreiben, benutzt öffent­liche Verkehrs­mittel sowie ihr Mobil­te­lefon, holt sich Hilfe, wenn sie welche braucht etc.

Seit einiger Zeit lebt Frau K. in einer abge­le­genen eigenen Wohnung, erhält 18 Fach­leis­tungs­stunden Betreutes Wohnen pro Woche (!) und kann im Rahmen der Krisen­in­ter­ven­tion auf frei­wil­liger Basis in einer geschlos­senen Inten­siv­gruppe aufge­nommen zu werden. Dies halten alle Betei­ligten für die beste aller schlechten Möglich­keiten. Mona­te­lange Klini­k­auf­ent­halte, auch längere Zeiten in Heimein­rich­tungen waren nie positiv. Immer musste man dort die Anderen vor Frau K. schützen. Daher hat man ihr nun quasi ein Einzel­heim gebas­telt, in dem sie keine Nach­barn hat und viel draußen in der Natur sein kann. Aber eine Lösung ist das auch nicht.

Ist Frau K. mal wieder in der psych­ia­tri­schen Klinik, ist sie so unglück­lich, ange­spannt und aggressiv, dass sie meist fixiert werden muss. Sie greift andere Pati­enten an und will weg. Eine Behand­lung findet kaum statt, da Frau K. null Koope­ra­tion zeigt. Ist sie „drau­ßen“, geht es ihr nicht besser. Sie frisst sich dann gedank­lich so lange in ihre eigene Hölle hinein, bis sie nicht mehr kann und als nerv­li­ches Wrack um Aufnahme in der Klinik bittet. Nimmt man sie dort nicht sofort auf, dreht sie noch eine Runde durch ALDI, wirft dort die Kartons durch den Laden, schlägt die Kunden und wird dann von der Polizei in die Klinik gebracht.

Gestern habe ich einen Brief von Frau K. bekommen, in dem sie androht, mich und andere Leute umzu­bringen. Sie halte ihr Leben nicht mehr aus, es sei alles so furchtbar.
Die um Rat gefragte Polizei fand das Schreiben nicht weiter bemer­kens­wert. Ich solle mich melden, wenn tatsäch­lich etwas passiert sei.