Samstag, 19. Mai 2012

Letzte Aktualisierung:11:00:00 MESZ

Kolumne

Frau Eff… und die verweigerte Hilfe

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Fotolia_FrauEff_8857232_XSFrau Eff, Berufs­be­treuerin… und die verwei­gerte Hilfe
Der zwan­zig­jäh­rige Betreute Paul macht Schwie­rig­keiten – sich, und allen anderen auch. Er bricht die gerade begon­nene Lehre ab, zieht sich zurück, ist mund­faul, übel­launig und legt eine deut­liche Verwei­ge­rungs­hal­tung an den Tag. Ab und zu murmelt er etwas von Angst und Bedro­hungen. Seinen Geschwis­tern gegen­über ist er aggressiv, mit den Eltern will er nicht spre­chen. Die Familie bekommt seit einigen Jahren ambu­lante Unter­stüt­zung durch Mitar­beiter des Jugend­amtes. Seit der Voll­jäh­rig­keit bin auch ich als Betreuerin im Boot.
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Frau Eff… und die Stromnachzahlungen

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Fotolia_FrauEff_8857232_XSFrau Eff, Berufs­be­treuerin… und die Strom­nach­zah­lungen
Das Früh­jahr ist die Zeit, in der ich mit böser Vorah­nung die Jahres­ab­rech­nungen der Ener­gie­ver­sorger aus den Umschlägen ziehe. Meist sind es dicke Briefe, die das Wich­tigste in fetten 14-Punkt-Lettern aufführen: Die Nach­zah­lung. Da die Heiz­kosten meist vom Sozi­alamt oder Jobcenter über­nommen wird, ist der inter­essan­teste Posten die Nach­zah­lung für Strom. Die muss jeder meiner Betreuten aus
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Frau Eff… und die rheinischen Lösungen

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Fotolia_FrauEff_8857232_XSFrau Eff, Berufs­be­treuerin… und die rhei­ni­schen Lösungen
Drei Probleme an einem Tag und nur zwei Lösungen: Frau H., 88, ist in der vergan­genen Nacht gestorben. So, wie sie es sich gewünscht hat, schnell und schmerzlos. In den vier Jahren, in denen ich die kinder­lose Frau begleitet habe, gab es zwei Themen: Das Grab ihres Mannes Rudi und ihre eigene Beer­di­gung. Ihr Taschen­geld im Pfle­ge­heim verwen­dete Frau H. für die Neube­pflan­zung von Rudis Reihen­grab, sowie für Taxi­fahrten zum Friedhof an seinem Geburtstag und an anderen Feier­tagen. Ihre eigene Beer­di­gung hatte sie schon lange vor dem Umzug in Heim gere­gelt und bezahlt. Der örtliche Bestatter weiß, welche Blumen, welchen Sarg, welchen Pfarrer sie wünscht und wer eine Trau­er­an­zeige per Post erhalten soll. Auf dem Grab­stein steht ihr Name bereits rechts neben dem von Rudi, nur das Ster­be­jahr fehlt noch. Die relativ hohen Kosten, sicher und zweck­ge­bunden auf einem Treu­hand­konto fest­ge­legt, musste ich lange Zeit vor dem begier­li­chen Zugriff des Sozi­al­amtes vertei­digen. Mit ein biss­chen Druck und para­gra­phen­un­ter­füt­terten Argu­menten gelang auch das. Nun sollten sich alle die Mühe und Vorsorge auszahlen, endlich mal keine Billig­be­stat­tung über das Ordnungsamt.
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Frau Eff… und die modernen Kommunikationswege

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Fotolia_FrauEff_8857232_XSFrau Eff, Berufs­be­treuerin… und die modernen Kommu­ni­ka­ti­ons­wege
Es erstaunt mich immer wieder, was alles möglich ist. Vor ein paar Tagen ist es Frau Eff inner­halb kurzer Zeit gelungen, einen Flug auf einen auslän­di­schen Flug­hafen zu buchen, der am Tag sicher nicht mehr als fünf inter­na­tio­nale Flüge landen sieht. Mit ein paar Klicks war es auch möglich, einen Miet­wagen zu reser­vieren, der direkt in der Ankunfts­halle über­geben wird. Dank Verbrau­cher­schutz sind die Inter­netseiten für solche Aktionen und die online auszu­fül­lenden Formu­lare dafür über­sicht­lich und selbst­er­klä­rend. Als ich gebucht hatte, bekam ich inner­halb von Sekunden eine schrift­liche Bestä­ti­gung. Danach habe ich mich wieder den SGB II- und Wohn­geldan­trägen zuge­wandt, 16-seitige Frage­bo­gen­monster auf muffigem Recy­cling­pa­pier, Vermie­ter­be­schei­ni­gungen, Anlagen WEP, EK, VM. Die Welt könnte so einfach sein.
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Frau Eff… und die Versorgungslücken

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Fotolia_FrauEff_8857232_XSFrau Eff, Berufs­be­treuerin… und die Versor­gungs­lücken
Dem beid­seitig bein­am­pu­tierte Betreuten Herr G. geht es nicht gut, er muss aus seiner Wohnung in die Kurz­zeit­pflege. Diese befindet sich prak­ti­scher­weise direkt im Nach­bar­ge­bäude, so dass der Pfle­ge­dienst, der ihn bisher betreut hat, Herrn G. im Roll­stuhl dorthin fahren kann. Wenige Stunden nachdem dies geschehen ist, ruft mich das Pfle­ge­heim an und verlangt nach­drück­lich, ich solle bitte sofort Beklei­dung für Herrn G. bringen. Man erwartet also von mir, dass ich mich ins Auto setze, elf Kilo­meter quer durch die Stadt fahre und meinen Betreuten mit frischer Unter­wä­sche versorge. Der Sozi­al­dienst des Heimes, der für diese Heldentat ledig­lich 50 Meter über­winden müsste, sieht sich dazu nicht in der Lage.
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Frau Eff… hätte etwas tun können.

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Fotolia_FrauEff_8857232_XSFrau Eff, Berufs­be­treuerin… hätte etwas tun können.
Hubert ist tot. Umge­fallen, tot. Maria, seine Freundin ist verzwei­felt. Mir könnte das egal sein. Ich hatte nicht den Auftrag, mich um Hubert zu kümmern. Auf meinem Betreu­ungs­be­schluss steht nur Maria, geistig behin­dert, 45 Jahre alt, drei erwach­sene Kinder irgendwo, auch alle geistig behin­dert, ein weiteres Kind ist unter unklaren Umständen schon vor zwanzig Jahren gestorben.

Hubert lebte bei Maria, als ich sie vor zwei Jahren kennen lernte. Er hat es am Anfang vermieden, zuhause zu sein, wenn ich kam. Dann war er Weih­nachten mal da, weil draußen das Wetter zu schlecht war für eine Flucht vor mir. Hubert war ein kleiner, magerer Mann, sanft und still, mit hängenden Schul­tern und flüs­ter­leiser Stimme, kaum vierzig Jahre alt.
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Frau Eff… und der externe Gutachter

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Haben Sie Kinder? Ja? Dann stellen Sie sich vor, eines der Kinder hat Zahn­schmerzen und große Angst vorm Zahn­arzt. Glück­li­cher­weise haben Sie vor einiger Zeit einen Zahn­arzt gefunden, der Geduld hat und kind­ge­recht behan­delt. Ihr Kind geht zwar immer noch nicht gerne in seine Praxis, es wehrt sich aber wenigs­tens nicht mehr mit Gebrüll und Tränen. Die aktu­ellen Zahn­schmerzen haben ihre Ursache in einem entzün­deten Backen­zahn, das hat der kinder­freund­liche Arzt schnell erkannt. Er verschreibt Anti­bio­tika, damit die Entzün­dung etwas abklingt und der Zahn dann bald behan­delt werden kann. Zwei Tage vor dem Behand­lungs­termin bekommen Sie plötz­lich Post von Ihrer Kran­ken­kasse. Die schreibt:

„Haben wir über Zahn­arzt Dr. XY erfahren, dass Ihr Kind angeb­lich einen entzün­deten Zahn habe, der mit unserem wert­vollen Geld behan­delt werden soll.
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Frau Eff… und die Einzelgänger

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Frau Eff war bei einer Fort­bil­dung. Dort erklärte der Refe­rent, dass es neben den klas­si­schen ICD-Krank­heiten unter den Ober­be­griffen „Psycho­sen“ und „Persön­lich­keits­stö­run­gen“ zuneh­mend psychi­sche Erkran­kungen gäbe, die gar nicht in das ICD-System und dessen Klas­si­fi­zie­rung passen würden. Eine Ärztin sagte über­spitzt, man solle doch bitte Leuten, die vorhätten, psychisch krank zu werden, vorher die ICD-Liste aushän­digen, damit die Kliniken nicht andau­ernd mit unde­fi­nier­baren Krank­heits­bil­dern konfron­tiert würden.

Dieselben Fach­leute berich­teten auch, dass man immer häufiger mit Pati­enten zu tun habe, die so massiv gestört seien, dass man ratlos vor diesem Problem stünde. Habe es früher in jeder Region den ein oder anderen Systemsprenger gegeben, der einfach als Sonder­ling tole­riert worden sei, tauchten heute zuneh­mend mehr Pati­enten mit Doppel­dia­gnosen, extremen sozialen Auffäl­lig­keiten, uner­klär­li­chen Fremd- und Auto­ag­gres­sionen auf.
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Frau Eff… ist ratlos

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Vor zwei Jahren habe ich die Betreuung von Frau K. von einer Kollegin über­nommen, weil Frau K. damit gedroht hatte, deren Tochter umzu­bringen. Seitdem habe ich in der Sache jede Woche mindes­tens einmal mit der Polizei, der psych­ia­tri­schen Klinik, aufge­brachten Nach­barn und Geschä­digten zu tun. Ich bin mit meinen Ideen am Ende. Alles auspro­biert, alles geschei­tert.

Frau K., Jahr­gang 1964, ist leicht geistig behin­dert und seit ihrer Kind­heit psych­ia­trisch auffällig. Sie hat bereits in sehr vielen offenen und geschlos­senen Einrich­tungen gelebt, trau­riger Höhe­punkt war eine fast einjäh­rige Dauer­fi­xie­rung in einer Spezi­al­gruppe für verhal­tens­auf­fäl­lige Menschen mit Doppel­dia­gnose.
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